Das Saarland als Technologieregion – digital und analog! 

Die Expertenaussage: Menschen mit MINT-Kompetenzen gehört die Zukunft. Sie nutzen nicht nur die in alle Lebensbereiche vordringende Digitalisierung, sie stellen diese erst her. Das Saarland verfügt bereits heute mit der Universität des Saarlandes über eine Hochschule, die sich in der Informatik und in den Naturwissenschaften einen guten Ruf erworben hat. In Zukunft sollte das Saarland seine Potenziale auf diesem Gebiet ausbauen. Langfristig könnte sich die Region als Hochburg europäischer IT-Innovationen etablieren.  

Die Universität des Saarlandes hat sich mit einer starken Hinwendung zur Informationstechnologie und Wirtschaftsinformatik erfolgreich spezialisiert. Als Sitz von zwei Max-Planck-Instituten – für Informatik und für Softwaresysteme – und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) besetzt die Universität des Saarlandes Schlüsselstellen bei der heutigen und zukünftigen Digitalisierung. Diese Institute betreiben nicht nur Grundlagenforschung, sondern sind wertvolle Entwicklungspartner der IT-Industrie. Der Internetriese Google hat sich im Jahr 2015 sogar am DFKI beteiligt – die bei Google eingesetzte Spracherkennungssoftware für Mobiltelefone ("OK Google") kommt nicht aus dem Silicon Valley, sondern wurde in Saarbrücken entwickelt.  

Weitere Spezialisierungen kann die Universität des Saarlandes auf dem Gebiet der Krebsforschung vorweisen. Für eine zukunftsorientierte Ausrichtung der Universität sind jedoch nach Meinung der Experten weitere Forschungsschwerpunkte nötig. Angesichts der Wirtschaftsstruktur im Saarland mit vielen Automobilzulieferern und weiteren Technologieunternehmen liegt es nahe, dass sich die Universität beim Ausbau auf technische Schwerpunkte konzentrieren sollte.  

Aufgrund der Zuständigkeit der Länder hat das Saarland die Möglichkeit, im Schulsystem Sonderwege einzuschlagen und sich auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung und der fachlichen Ausrichtung der Hochschule des Saarlandes sollte nach Meinung der Experten das saarländische Bildungssystem auch im schulischen Bereich den MINT-Fächern besonders hohe Bedeutung einräumen. In dieser Konstellation sind die Chancen groß, dass Schüler aus dem Saarland mit einer natürlichen und schulisch geförderten Begabung in den MINT-Fächern nach dem Abitur an der Universität des Saarlandes ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium ergreifen. Nach dem Examen könnten sie dann als exzellent qualifizierte Fach- und Führungskräfte in den Technologieunternehmen im Saarland arbeiten oder neue gründen. Allerdings weisen die Experten darauf hin, dass der Technologiebereich nicht alle Schulabgänger wird aufnehmen können und auch im Technologiesektor die Sozialkompetenzen der Mitarbeiter zukünftig eine immer größere Rolle spielen werden. Es ist daher eine wichtige Aufgabe der Schule, neben dem fachbezogenen Wissen auch persönlichkeitsbildende Inhalte zu vermitteln.


Eine Verbund-Universität mit internationaler Strahlkraft  

Die Expertenaussage: Vernetzung und Bildung sind zwei zentrale Zukunftsthemen. Vernetzte Bildung findet indes noch zu wenig statt. Mit einem Verbund der Universitäten Metz, Luxemburg und Kaiserslautern wäre die Region in der Lage, ein umfassendes Fächerangebot zu präsentieren. Die länderübergreifende Kooperation würde zudem eine hohe Internationalität der Ausbildung sicherstellen.  

Die Idee einer Verbund-Universität aus Hochschulen im Saarland, in Luxemburg, in Rheinland-Pfalz und Lothringen bietet vielfältige neue Möglichkeiten: Die Verwaltungskosten würden sinken. Die Studierenden könnten innerhalb der einheitlich verwalteten Verbund-Universität ohne bürokratischen Aufwand von einem Studienort zum nächsten ziehen und Auslandserfahrung sammeln.   

Durch Aufgabenteilung und Fokussierung von Mitteln könnte der Verbund auch dazu führen, dass auf einzelnen Feldern Spitzenforschung möglich wird. Inhaltlich sollte die Verbund-Universität nach Meinung der Experten so ausgerichtet sein, dass sie die ökonomischen Perspektiven und die Potenziale der in der Europaregion ansässigen Branchen mit entsprechenden Ausbildungen begleitet. Der Schwerpunkt sollte demnach in den naturwissenschaftlichen Fakultäten und darüber hinaus den internationalen Wirtschaftswissenschaften und dem internationalen Recht liegen. Bei einem entsprechenden Ansatz und einem anerkannt hohen Qualitätsniveau ist es nach Meinung der Experten möglich, dass die Abschlüsse einer länderübergreifenden Verbund-Universität hohe internationale Anerkennung finden.

Im Idealfall könnte die saarländisch-lothringisch-luxemburgische Verbund-Universität bei der Akzeptanz der Abschlüsse sogar mit den französischen Grandes Écoles de Commerce gleichziehen. Dies würde sich wiederum auf die wirtschaftliche Entwicklung des Saarlandes und seine Funktion als Drehscheibe zwischen Deutschland und Frankreich auswirken. So könnte das Saarland etwa die Region werden, in der französische Unternehmen ihre Nachwuchskräfte für Aktivitäten im deutschsprachigen Raum finden – und umgekehrt könnten deutsche Unternehmen dort ihren Fach- und Führungskräftenachwuchs für den Einsatz im französischen Sprachraum rekrutieren.


RAG-Stiftung
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