Zusammenfassung Wirtschaft


Die Globalisierung wird in der nächsten Dekade weiter an Dynamik zunehmen. Immer mehr Volkswirtschaften werden am internationalen Austausch von Waren und Dienstleistungen teilnehmen. Das Internet trägt heute schon dazu bei, dass lokale Dienstleister Kunden auf der ganzen Welt ansprechen können. In Zukunft, so die Experten, werden global agierende Dienstleistungskonzerne entstehen, die mit ihren Angeboten Milliarden von Menschen erreichen. Das wird die Architektur des gesamten Wirtschaftsgefüges in Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet massiv verändern.

Die Digitalisierung macht vor keiner Branche Halt. Schon in den nächsten zehn Jahren werden voraussichtlich 70 Prozent aller Branchen von der Digitalisierung betroffen sein. Diese Einschätzung der Experten zeigt, wie gewaltig die Umwälzungen durch die digitale Revolution im Ruhrgebiet als bedeutendem Industrie- und Dienstleistungsstandort sein werden. Ob der Siegeszug der Informationstechnologie in Summe Arbeitsplätze schafft oder vernichtet, ist noch nicht ausgemacht. Sicher ist aber: Eine gute Aus- oder Hochschulbildung mag bis heute die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit sein. In Zukunft ist es die permanente Weiterbildung, die den Anschluss an sich stetig ändernde Arbeitsplatzprofile sicherstellt. Für die Menschen im Ruhrgebiet werden Jobwechsel, Phasen der beruflichen Neuorientierung und Umschulungen Normalität. Der geradlinige Lebenslauf wird zur Ausnahme.

Eine Zukunft ohne Industrie ist aus Sicht der Experten für das Ruhrgebiet in absehbarer Zeit nicht vorstellbar. Zwar werden Dienstleistungen eine größere Rolle spielen als in der Vergangenheit. Sie werden aber vor allem in der Symbiose mit Industrieunternehmen erfolgreich sein und der Region zu mehr Wirtschaftskraft und Attraktivität verhelfen. Es wird in Zukunft darauf ankommen, vernetzt und dynamisch auf die immer schneller werdende globale Ökonomie mit immer kürzeren Produktlebenszyklen zu reagieren. Eine Wirtschaftsstruktur mit industriellen Kernen und mittelständischen Unternehmen ist dafür am besten geeignet.

Globalisierung und Digitalisierung – und ein Einstellungswandel unter den Arbeitnehmern – werden nach Meinung der Experten dazu führen, dass sich die Gewerkschaften neu orientieren müssen. Insbesondere für die eher postmateriell eingestellte Generation Y (geboren zwischen 1977 und 1997) spielen finanzielle Motivatoren nicht mehr die dominante Rolle. Auch wenn die Tarifpolitik nicht zur Randerscheinung wird, so brauchen Gewerkschaften nach Meinung der Experten ein zweites Standbein: das Thema Qualität der Arbeit, das von den Arbeitnehmervertretungen mehr und mehr aufgegriffen wird.

Das Ruhrgebiet ist eine Energieregion. Die Kohle wird hier bis heute nicht nur gefördert, sondern auch verstromt. Geht es nach den Experten, wird nicht nur der Steinkohlenbergbau bald beendet sein, sondern auch die Stromerzeugung durch Kohle wird in den nächsten zehn Jahren erheblich an Bedeutung verlieren. Global wie national wird der Anteil der Kohle am Energiemix sinken, weil die erneuerbaren Energien immer größere Beiträge zur Stromversorgung von Haushalten und Unternehmen leisten. Und die Innovationspotenziale der Technologien sind noch lange nicht ausgereizt. Sowohl bei der Solarenergie als auch bei anderen Formen der grünen Stromerzeugung gibt es noch Effizienz- und Verbesserungspotenziale, sodass die kohlenstofffreie Energieversorgung in absehbarer Zeit Realität werden kann. Eine Renaissance der Kernenergie – speziell in Deutschland – ist folglich ausgeschlossen. Für das Ruhrgebiet als industriell geprägten Ballungsraum wird sich die Architektur der Energieversorgung grundsätzlich ändern: weg von den Großkraftwerken als Versorgern von Städten und Kommunen, hin zu einer dezentralen Einspeisung mit Solaranlagen auf dem Dach und Energiespeichern im Keller. Zusätzlich sorgen intelligente Stromnetze für eine stetige Versorgungssicherheit. Die Qualität der Versorgung wird in Zukunft auf gleichem Niveau gewährleistet wie vor der Energiewende. Nur wird die Energie zunehmend grün sein.

Es ist die enge innere Verknüpfung mit der Wissenschaft, die einen erfolgreichen Ballungsraum kennzeichnet. Hier hat das Ruhrgebiet nach Einschätzung der Experten erheblichen Nachholbedarf. Zwar verfügt das Revier über eine dichte Forschungslandschaft mit vielen Universitäten, Fachhochschulen und Forschungsinstituten. Die Kooperationen mit ansässigen Unternehmen sind jedoch rar. Auch sogenannte Spin-offs – also Unternehmensgründungen aus der Hochschule heraus – trifft man im Ruhrgebiet nur selten an. Durch die vielen losen Enden entwickelt das Ruhrgebiet damit nicht die endogenen Innovationskräfte, die es entwickeln könnte, wenn Wirtschaft und Wissenschaft enger zusammenarbeiten würden. Die Verantwortung dafür trägt im Wesentlichen die kompetitive Polyzentrik. Das kommunale wissenschaftliche Interesse steht über dem Gesamtinteresse des Reviers. Hochschulen treten eher gegeneinander an als miteinander auf. Das schwächt die gesamte Hochschullandschaft und macht sie als Partner für regionale Unternehmen unattraktiv. Mit Blick auf die künftige Innovationsfähigkeit der Region müssen daher die Wissenschaftsinstitutionen ihre Haltung einer kompetitiven Polyzentrik zwingend überwinden.

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