Zusammenfassung Gesellschaft


Die Menschen zieht es in die Städte und Ballungsräume. Seit 2008 lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, 2030 sollen es über 60 Prozent sein. Es sind insbesondere die prosperierenden Ballungsräume und Megacitys mit ihrem urbanen Leben(sgefühl), die eine hohe Anziehungskraft ausüben, so die Experten. Wie in anderen Ballungsräumen werden sich im Ruhrgebiet attraktive Zentren weiter verdichten. Weil die Grenzen zwischen Arbeiten und Leben verschwinden, wird z. B. räumliche Nähe zum Arbeitsplatz zum Kennzeichen hoher Lebensqualität. Die Attraktivität nimmt zu, wenn das Unschöne beseitigt wird. Es ergibt aus Sicht der Experten keinen Sinn, an Quartieren ohne Entwicklungsperspektiven festzuhalten und den Verfall sehenden Auges zuzulassen. Besser ist es, solche Stadtteile konsequent zurückzubauen. Das schafft Raum, um gemeinsam mit den Bürgern ganze Quartiere von Grund auf neu zu planen.  

Vor allem Zuwanderer aus Krisenregionen steuern Ballungsräume wie das Ruhrgebiet an, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Für das Ruhrgebiet als größten Ballungsraum Deutschlands ist Einwanderung nach Meinung der Experten eine große Chance, einer Überalterung der Gesellschaft entgegenzuwirken und Entleerungstendenzen abzufedern. Damit wird die Integration von Migranten in den nächsten zehn Jahren an erster Stelle der politischen Agenda stehen. Das bedeutet zuallererst, die Menschen in Arbeit zu bringen, denn Arbeit ist aus Sicht der Experten der mit Abstand beste Weg zu Integration und gesellschaftlicher Teilhabe. Hier steht das Ruhrgebiet im Vergleich zu anderen Ballungsräumen nicht so gut da. Die Arbeitslosigkeit ist in der Regel höher, das Arbeitsplatzangebot ist geringer. Die Gefahr besteht, dass die zunehmende Konkurrenz um Arbeit die Ungleichheit vergrößert und die Polarisierung von verfallenden und wohlhabenden Stadtteilen im Revier wachsen wird.  

Ein Ballungsraum ist attraktiv, wenn er Arbeit bietet. Aber allein das genügt nicht. Die Bürger erwarten auch ein attraktives Stadtbild mit zeitgemäßer Architektur, gepflegten Grünanlagen und Sehenswürdigkeiten, die über den Ballungsraum hinaus Strahlkraft entwickeln. Zu diesen Sehenswürdigkeiten gehören insbesondere in Transformationsregionen wie dem Ruhrgebiet auch Industriedenkmäler.  

Zusätzlich zu ihrer kulturellen Bedeutung und ihrer Funktion für den Tourismus dienen sie als identitätsstiftende Zeichen einer Region. Die Experten raten aber bei der Pflege der Erinnerungskultur zum wohldosierten Umgang mit den baulichen Relikten aus vergangenen Industriezeiten. Für die Erneuerung einer Region ist ein modernes Erscheinungsbild, gespeist aus den endogenen Kräften des Ballungsraumes, mindestens genauso wichtig.  

Eine wichtige Rolle kommt der Mobilität zu – insbesondere dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Nach den Experten muss er in Ballungsräumen eine wesentlich höhere Priorität genießen als der Ausbau von Straßen für PKW und LKW. Aus Sicht der Experten hat das Ruhrgebiet hier Nachholbedarf. Weil mehrere Verkehrsverbünde und kommunale Verkehrsbetriebe nebeneinander her- und nicht aufeinander abgestimmt arbeiten, ist die Qualität des ÖPNV in der Region beeinträchtigt. Laut Experten kann die Lösung nur darin bestehen, einen gemeinsamen Verkehrsverbund für das Ruhrgebiet zu schaffen.  

Der hohe Mobilitätsanspruch bleibt jedoch nicht beim ÖPNV stehen. Die Vernetzung von Verkehrsmitteln wie Flugzeug, Bahn, Auto und Fahrrad wird in Zukunft zum Qualitätsmerkmal für Ballungsräume. Weil diese Vernetzung allenthalben noch in den Kinderschuhen steckt, wäre nach Meinung der Experten das Vorantreiben einer Verknüpfung aus Fernstrecken und urbaner Mikromobilität für das Ruhrgebiet eine Chance, sich von anderen Ballungsräumen positiv abzuheben.

Zu den Einzelthesen

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