Zusammenfassung Politik


Im Ruhrgebiet dominiert bei Entscheidungen heute noch die Sicht auf die eigene Stadt bzw. Kommune. In Zukunft müssen, so die Experten, die Auswirkungen auf die gesamte Region in den Mittelpunkt gerückt werden. Hintergrund ist, dass der Wettbewerb in Zukunft anderen Regeln unterliegt. Nicht die Städte werden um Unternehmensansiedlungen und Kulturattraktionen konkurrieren, der Ballungsraum als Einheit wird sich im internationalen Attraktivitätswettbewerb behaupten müssen.  

Daher fordern die Experten die Kommunalverwaltungen im Ruhrgebiet auf, das "Kirchturmdenken“ endlich hinter sich zu lassen. Anstatt für jede Kommune die politische und öffentliche "Vollausstattung“ sicherzustellen, wären effiziente Kooperationen zwischen den Städten des Ballungsraumes und das Teilen von Ressourcen, etwa bei der Erledigung von Verwaltungsaufgaben, die Mittel der Wahl. Anstatt erfolgreiche Schulprojekte unter den Mantel des Schweigens zu hüllen, sollten die gesammelten Erfahrungen im gesamten Ruhrgebiet geteilt werden, damit alle von den innovativen Ideen profitieren.  

Die Mehrheit der Experten geht noch einen Schritt weiter. Warum nicht die Stadtstruktur im Ruhrgebiet aufheben und die Region als eine große Metropole verstehen – mit einem Industrie- und Verwaltungsviertel, einem Bankenviertel und einem Ausgehviertel? Als Vorbild könnte z. B. die 30-Millionen-Metropole Tokio dienen, die nicht nur zu den größten, sondern auch zu den attraktivsten Ballungsräumen der Welt gehört.  

In der Kommunikation nach innen wie nach außen sind andere Ballungsräume ebenfalls zum Teil schon weiter als das Ruhrgebiet. Noch immer wird das Revier im Wesentlichen mit Kohle und Stahl in Verbindung gebracht. Branchen, die in ihrer Bedeutung für die Region nur noch eine untergeordnete Bedeutung haben, dienen weiterhin als Identitätsklammern für mehr als fünf Millionen Menschen. Die Experten fordern daher, dem Ruhrgebiet ein neues Leitbild mit einer selbstbewussten und modernen Erscheinung zu geben. Dieses Leitbild muss anknüpfen an die Stärken der Region und ihren Zukunftsanspruch – ohne die erfolgreiche Ära von Kohle und Stahl zu verleugnen.  

Profilierung setzt am Bestehenden an. Geht es nach den Experten, muss das Ruhrgebiet diesbezüglich viel mehr experimentieren. Etwa in der Wirtschaftspolitik: Der lange Jahre verfolgte Ansatz, auf eine schrumpfende Großindustrie mit einer vermeintlich wachsenden Großindustrie zu antworten, bleibt hinter den Erwartungen zurück. Hingegen haben die Hochschulen im Ruhrgebiet mit ihren 250.000 Studenten genügend Potenzial, umfassende Gründungsinitiativen ins Leben zu rufen. Allein an dieser Zahl wird deutlich, dass das Ruhrgebiet vielen jungen Menschen Bildung und Heimat gibt. Nur fehlt dem Revier das Image einer jungen Region. Anziehungskraft und Attraktivität fallen auch deshalb hinter denen von Berlin, Hamburg und München zurück. Um gegenzusteuern, empfehlen die Experten, politische Entscheidungen mehr an den Interessen der jungen Generationen auszurichten. Die Politik muss sich zur jungen Generation bekennen, ihr jene Möglichkeiten bieten, die für ihre Selbstverwirklichung notwendig sind. An dieser Stelle sind sich insbesondere die Ruhrgebietsexperten im Panel völlig einig.  

Leere Kassen sind nach Ansicht der Experten im Übrigen kein Argument, sich auf das Verwalten der Zustände zu beschränken. Es geht darum, im politischen Handeln unkonventionelle Wege zu beschreiten und mit Kreativität Gestaltungsansätze zu finden, die wenig Geld kosten. Manchmal reicht es schon aus, erfolgreiche Ideen von anderen Städten zu übernehmen oder umfassender auf die Möglichkeiten des Public-private-Partnerships zurückzugreifen.  

Welcher Weg auch immer beschritten wird: Ohne die Beteiligung der Bürger geht in Zukunft nichts. Die Betroffenen wollen von Anfang an in Planungen einbezogen werden und ihre Interessen einbringen. Es geht in erster Linie nicht darum, Projekte zu verhindern, sondern darum, bessere Ergebnisse zu erzielen, auch wenn der Prozess der Entscheidungsfindung zunächst als zäh empfunden wird. Die politisch Verantwortlichen in Ballungsräumen und somit auch im Ruhrgebiet werden sich mit einem neuen Rollenbild anfreunden müssen: vom Entscheider zum Moderator zwischen Interessengruppen.

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