Megatrends

Ausgangspunkt der Studie sind die globalen Megatrends, die bis 2025 eine hohe Relevanz für die Regionen an Ruhr und Saar haben werden und sowohl spezifische Herausforderungen als auch Chancen für die zukünftige regionale Entwicklung mit sich bringen.  

Die Auswahl der relevanten Megatrends basiert auf der Analyse von acht Megatrend-Studien renommierter Institutionen, die sich durch internationale Bedeutung und Aktualität auszeichnen. 

Es lassen sich insgesamt 13 Megatrends identifizieren, die für diese Studie von Relevanz sind. Sie werden entweder durchgehend in der Mehrzahl aller Studien beschrieben und / oder in den mit den Experten geführten Interviews als besonders wichtig erachtet. Außerdem enthalten sie vier Megatrends, die entweder einen besonderen Einfluss auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung ehemaliger Industrieregionen haben oder im Hinblick auf den Auftrag und die Aufgaben der RAG-Stiftung von Bedeutung sind. Die Reihenfolge der Megatrends basiert auf deren Bedeutung für die Entwicklung von Ballungsräumen nach Einschätzung der Experten.

Globalisierung und ökonomische Machtverschiebungen

Ehemalige Schwellenländer entwickeln sich zu Wirtschaftsgiganten und fordern Sitz und Stimme in der neuen Weltgemeinschaft ein. Damit geht das Wachstum einer neuen globalen Mittelschicht einher. Wertschöpfungsketten werden auf immer mehr Länder verteilt und zeichnen sich durch eine stärkere Fragmentierung aus. Gleichzeitig gewinnt trotz zunehmender internationaler Warenströme auch die unmittelbare Region an Bedeutung ("Glokalisierung").

Digitalisierung und Konnektivität

Die digitale Vernetzung ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und prägt unseren Alltag. Daten und Informationen sind jederzeit an jedem Ort für jedermann verfügbar und verändern das Zusammenleben und die Arbeitswelt. Über das "Internet der Dinge" kommunizieren auch Maschinen miteinander. Neue Chancen für gesellschaftliche Teilhabe eröffnen sich; gleichzeitig rücken jedoch auch die Risiken der Digitalisierung durch Missbrauch dieser Möglichkeiten in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Demografischer Wandel

In dem Maße, in dem der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung steigt, wird auch das Altern als Lebensphase neu definiert. Statt des "Ausruhens" von der Erwerbsarbeit entsteht eine Phase neuer gesellschaftlicher Verantwortung. Der demografische Wandel bringt jedoch auch hohe Belastungen der Sozialsysteme mit sich, die einen Konflikt zwischen Generationen schüren können. Die zunehmende Einwanderung kann diese Belastungen abmildern, jedoch nicht ausgleichen.

Soziale und kulturelle Disparitäten

Trotz einer insgesamt positiven wirtschaftlichen Entwicklung in den meisten Industrienationen kommt es zu einer Polarisierung zwischen "Arm" und "Reich". Prekäre Lebensverhältnisse sind ein Massenphänomen und führen zum Abstieg einzelner Stadtteile und Regionen. Durch eine zunehmende Zahl an Flüchtlingen und Migranten wird die Toleranz und Anpassungsfähigkeit von Volkswirtschaften auf die Probe gestellt.

Urbanisierung

In Zukunft leben mehr als drei Viertel der Menschen in Städten. Auch in Industrienationen mit einer älter werdenden Bevölkerung wird die Anziehungskraft von Städten weiter zunehmen. Im Wettbewerb der Ballungsräume wird so die Lebensqualität in den Städten zum Schlüsselfaktor und Garanten für ökonomische, ökologische und soziale Stadt-Stabilität. Neue Wohn-, Lebens- und Partizipationsformen sowie Infrastrukturlösungen entwickeln sich und werden politisch gefördert.

Klimawandel und Umbrüche bei Energie und Ressourcen

Klimatische Veränderungen führen insbesondere in Industrienationen zu einem wachsenden Umweltbewusstsein. Biologisch nachhaltige Produktion gewinnt an Bedeutung und entwickelt sich in einigen Bereichen zum neuen Standard. Die Schonung und intelligente Nutzung von Ressourcen wird Wesensmerkmal erfolgreicher Industrien. Der Energiesektor verschmilzt mit verwandten Branchen und entwickelt sich hin zu dezentraleren Strukturen.

Neue Mobilitätsmuster

Neben dem Auto werden öffentlicher Nahverkehr, Fahrradfahren und Zufußgehen für die individuelle Mobilität immer wichtiger. Dabei wird diese immer stärker mit Fragen der Ressourcenschonung sowie des Klima- und Umweltschutzes verknüpft. Die Entscheidung gegen ein eigenes Auto wird dabei von immer mehr und besonders von jüngeren Menschen in Ballungsregionen getroffen. Sie nutzen Verkehrsdaten in Echtzeit und setzen dabei auf digital vernetzte, intermodale Mobilitätsangebote.

Neues Lernen und globale Wissensgesellschaft

Digitale Medien schaffen einen immer leichteren Zugang zu einer immer größer werdenden Wissensmenge. Faktenwissen verliert an Bedeutung, wohingegen kreative und übergreifende Lösungsfindung immer wichtiger wird. Dies wirkt sich auch auf die Bildungslandschaft aus und führt zum wachsenden Erfolg von Online-Universitäten. Es entsteht eine neue globale Bildungselite und der "war for talents" verschärft sich.

Gesundheit

Verantwortung für den eigenen Körper und Wellness bleiben künftig wichtige Trends in Industrienationen. Die auch aufgrund des demografischen Wandels steigenden Gesundheitsausgaben werden weiter privatisiert. Dank der zunehmenden digitalen Vernetzung wird sich die Kommunikation zwischen Arzt und Patient grundlegend verändern und die Auswertung persönlicher Gesundheitsdaten wird zu einer Individualisierung von Behandlungen führen. Diese Daten bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung von Medikamenten und Therapien.

Neue Geschäftsmodelle

Eine neue globale Mittelschicht und die zunehmende Digitalisierung eröffnen neue ökonomische Chancen. Es entstehen branchen- und länderübergreifende Wertschöpfungspartnerschaften, die zu innovativen Produkten und Dienstleistungen sowie Umwälzungen ganzer Branchen führen. Neue Produktionsverfahren werden möglich, an deren Ende das personalisierte Produkt steht.

Konvergenz moderner Technologien

Nano-, Bio-, Informations- und Neurotechnologie verschmelzen zunehmend und begründen die Vision einer "zweiten Natur". Es werden neue Werkstoffe und Konstruktionsprinzipien entwickelt, die für eine hohe Innovationsdynamik sorgen und Geschäftsmodelle ganzer Branchen neu definieren. Bereits existierende Tendenzen in diese Richtung werden durch die Digitalisierung weltweit beschleunigt und vorangetrieben.

Wandel der Arbeitswelt und der Geschlechterrollen

Konnektivität und Globalisierung führen zu neuen, dezentralen Arbeitsformen und einer zunehmenden Vermischung von Arbeit und Freizeit. Männer und Frauen finden ihre Lebensbalance in beruflicher Verwirklichung und in neu definierten Beziehungs- und Familienmodellen. Neben der klassischen Vollzeitarbeit nehmen alternative Beschäftigungsformen zu, die durch digitale Angebote begünstigt werden. Die persönliche Weiterbildung und lebenslanges Lernen werden immer wichtiger.

Staatsverschuldung

Politische Entscheidungen werden durch die zunehmende Verschuldung der öffentlichen Hand bestimmt. Der Umgang mit der steigenden Staatsverschuldung beeinflusst unmittelbar die Bewältigung sozialer, ökonomischer und ökologischer Herausforderungen. Kommunen streben vermehrt Kooperationen mit Unternehmen und Bürgerinitiativen an, um trotz klammer Kassen gestaltend tätig werden zu können.


RAG-Stiftung
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