Städtebauliches Kolloquium Tag 1,
Junges Ruhrgebiet: attraktiv und cool

"Die Bedürfnisse der jungen Generation in den Blick nehmen"

Megatrends als Chance verstehen, Veränderungen im Sinne der jungen Generation angehen: Das Städtebauliche Kolloquium stellt Stoßrichtungen vor, wie das Ruhrgebiet für junge Menschen attraktiver werden kann.

Die RAG-Stiftung-Zukunftsstudie macht bereits mit ihrem Titel "Das Schicksalsjahrzehnt" deutlich, dass es im Ruhrgebiet in den kommenden Jahren ums Ganze geht. "Megatrends wie die Globalisierung, Urbanisierung und Digitalisierung werden das Ruhrgebiet massiv fordern", stellte Dr. Niels Oelgart, Senior Expert von Deekeling Arndt Advisors und Leiter des Studienprojektes im Auftrag der RAG-Stiftung, gleich zu Beginn klar. Entlang von sieben Zukunftsthesen präsentierte Oelgart dann, wie das Ruhrgebiet für junge Menschen attraktiver werden kann. Z. B. muss der Wettbewerb der Städte im Revier endlich beendet und konsequent auf Kooperationen gesetzt werden. Heute stehen Regionen in Konkurrenz zueinander und nicht Städte. Junge Leute nehmen das Ruhrgebiet als einen Lebensraum wahr und so sollte es auch organisiert werden. "Die Maxime im Revier muss daher lauten: Erst die Region, dann die Stadt", so Oelgart. Ebenfalls von zentraler Bedeutung: ein anziehendes urbanes Leben, ästhetisch ansprechende Zentren und eine Start-up-Landschaft, die nicht nur ökonomisch reizvoll ist, sondern auch ein junges modernes Lebensgefühl vermittelt. Kann ein Ballungsraum diesbezüglich punkten und wird er als ein spannender und auch einzigartiger Ort über die Grenzen der Region wahrgenommen, verbessern sich die Chancen, dass sich die mobile junge Generation zwischen 20 und 35 für das Ruhrgebiet als Wahlheimat entscheidet.

Simon Schnetzer, Sarah Müller, Dr. Niels Oelgart, Prof. Dr.-Ing. Stefan Siedentop, Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Christa Reicher Bild herunterladen

Wie genau diese Generation "tickt" und welche Werte sie verinnerlicht hat, präsentierte Simon Schnetzer im Anschluss mit einem sehr unterhaltsamen Vortrag. Die Basis seiner Ergebnisse liefert seine Trendstudie "Junge Deutsche". Mit dem Rad durch ganz Deutschland unterwegs, hat er mit vielen jungen Menschen Interviews geführt und die Erkenntnisse daraus zusammengetragen. "Leistungsdruck, Zusammenhalt in der Familie und Zukunftsangst prägen junge Leute am meisten", stellte Schnetzer klar. Smartphones und das Internet fördern den Anspruch, alles mit allen teilen zu müssen und sich als Vermarkter in eigener Sache in Szene zu setzen. Dadurch entsteht ein enormer Druck, bloß nicht langweilig zu wirken. Die Anzahl der Likes auf Facebook, Twitter oder Snapchat ist die harte Währung der jungen Generation.

Schnetzer forderte, Stadtplanung mehr an den Lebensphasen von jungen Menschen auszurichten. "Es macht hinsichtlich der Bedürfnisse einen sehr großen Unterschied, ob jemand in der Ausbildung ist oder gerade eine Familie gegründet hat", führte Schnetzer aus. Es hätte Charme, wenn das Ruhrgebiet seine Städte und Quartiere viel stärker danach differenzieren würde.

Alles nur Theorie? Sarah Müller, Studentin der TU Dortmund, legte dann ihre persönlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen des Themas offen und ordnete die Vorträge ein. "Es stimmt schon. Kommilitonen und Kommilitoninnen von außerhalb wollen in der Regel wieder zurück". Sie bestätigte damit Aussagen der RAG-Stiftung-Zukunftsstudie, wonach das Ruhrgebiet für Außenstehende wenig attraktiv ist. Müller kritisierte vor allem die fehlende Vernetzung und Abstimmung des ÖPNV in der Region, der bei Weitem nicht den Ansprüchen der jungen Generation genügt. "Die Mobilität innerhalb des Ruhrgebiets muss besser werden", forderte sie dann auch konsequenterweise. Neben Kritik an der Region, hob sie gleichwohl die positiven Seiten des Reviers hervor. Dazu zählt z. B. der günstige Wohnraum. Dieser sei gerade für Studierende, die nicht viel Geld zur Verfügung haben, ein wichtiges Kriterium für die Wahl des Studienortes. Gleichwohl dringen die positiven Entwicklungen des Ruhrgebiets nicht richtig durch. "Leute, die hier leben, reden leidenschaftlich über den Ruhrpott. Bei Externen dominieren jedoch Kohle und Stahl die Wahrnehmung." Entgegen der Meinung der Experten der RAG-Stiftung-Zukunftsstudie, man brauche junge Menschen von außen, um Veränderungen anzustoßen, sieht Sarah Müller genug Potenzial für Neues bei den vielen jungen Leuten im Revier. "Daraus muss man aber mehr machen", so Müller.

In der Diskussion waren sich die Referenten und die Kommentatorin einig, dass die jungen Menschen des Ruhrgebiets bessere und zukunftsbasierte Geschichten über ihre Heimat erzählen müssten. Denn es gebe schließlich viele Gründe in der Region zu bleiben oder herzuziehen - und das müsse man auch kundtun.


Veranstalter:

Technische Universität Dortmund, Fakultät Raumplanung
Fachgebiet Städtebau, Stadtgestaltung und Bauleitplanung
Telefon: 0231-755 2241, stb.rp(at)uni-dortmund.de, www.raumplanung.tu-dortmund.de/stb
Netzwerk Innenstadt NRW, Münster www.innenstadt-nrw.de/aktuell/
ILS Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH, Dortmund, www.ils-forschung.de
RAG-Stiftung, Essen, www.rag-stiftung.de

Mit Unterstützung von:

Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Architektur, www.fh-dortmund.de
Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung e.V., www.srl.de
Informationskreis für Raumplanung e.V.
Deekeling Arndt Advisors in Communications GmbH, Düsseldorf

Zusammenfassung des ersten Veranstaltungstages (11:21)

Straßenumfrage: Was würde das Ruhrgebiet für junge Leute attraktiver machen? (01:31)

Jugendforscher Simon Schnetzer im Interview (01:38)


RAG-Stiftung
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